Ayurveda im Engel (4): Der Masseur

Sein Markenzeichen ist sein herzerfrischendes Lachen: Nilantha schafft es mit seinem Kollegen Ranjit, dass man sich bei einer Ayurveda-Kur im „Engel“ in Welschnofen wie neugeboren fühlt. Dank seiner wunder-vollen Massagen.

Aus Sri Lanka stammt er – also von jener Insel, über die Carmen Kohler, die Chefin des Hauses (den Artikel über sie gibt’s hier) , sagt, dass „dort schon jedes Kind jedes andere massiert“. Und daher reicht seine Erfahrung schon früh in die Kindheit zurück, kann er das, was ihm Dr. Swaminath Mishra, der ayurvedische Arzt im „Engel“ (den Artikel über ihn gibt’s hier), verordnet, optimal umsetzen.

Seine Fröhlichkeit ist ansteckend und tut gut: Nilantha beherrscht de ayurvedischen Massagen perfekt.

In Europa ist er schon lange unterwegs, war im Allgäu, in der Brenta, in Mailand, hat weltberühmte Motorsportler und italienische Bühnengrößen behandelt – aber wer auch nur ein paar Minuten seine Massagen erlebt und genießt, der spürt: Hier in den Dolomiten fühlt er sich ganz besonders wohl. Offensichtlich wegen der ganz speziellen Atmosphäre, die in diesem traditionsreichen Haus am Fuße des Rosengartens herrscht und die wohl jeder schätzt, der hier einmal Station gemacht hat, um dem Stress und der Hektik des Alltags zu entfliehen.

„Samwahanam“ hat mir Dr. Mishra aufgeschrieben. Was das wohl ist? „Erst mach ich mal ein Kopfmassage“, sagt Nilantha aber und lacht: „Das ist ganz besonders wichtig.“

Naja, dann mach mal, denke ich mir. Aber schon nach nicht mal einer Minute spüre ich: Nilantha hat wirklich „goldene Hände“. Buchstäblich im Handumdrehen stellt sich ein ganz neues Gefühl ein: Der Kopf wird unbeschwert, frei – und zwar so, wie man es sich schon lange nicht mehr erlebt hat und man es sich binnen so kurzer Zeit gar nicht hätte vorstellen können.

Mit einer Kopfmassage geht es los: Nilantha sorgt für Entspannung und Gedankenfreiheit.

Und so zweifle ich keine Sekunde daran, dass Nilantha das ganze reiche Programm an ayurvedischen Massagen, die im „Engel“ angeboten werden, perfekt beherrscht.

Da ist zunächst einmal Abhyanga, die traditionelle Ganzkörpermassage, bei der man je nach Konstitution individuelle Öle anwendet und die Körperenergie harmonisieren soll. Sie gilt als eine der ältesten Behandlungsmethoden der Welt.

Mukabhyanga wird als Gesichtsmassage beschrieben, schließt aber auch Kopf, Nacken und Dekolleté ein. Die Gesichtsmaske zum Schluss soll reinigen und beruhigen, wird das Gesicht doch als „Spiegelbild der Seele“ erachtet. Diese Massage soll mithin weit mehr als Kosmetik sein, sondern auch bei Migräne, Kopfschmerz, Nackenverspannungen und emotionalem Stress helfen.

Marmabhyanga wiederum wendet sich  den Blockaden im Körper zu und will Schlackenstoffe und blockierte Emotionen ausleiten und die Lebensenergie wieder fließen lassen.

Auch beim Padabhyanga möchte man die Vitalpunkte im Körper aktivieren. Zudem kümmert man sich um die eher vernachlässigten Muskeln und Sehnen der Füße.

Beim Pinda Sweda greift Nilantha zu den kleinen Säckchen aus Seide oder Baumwolle, die mit Pasten, Kräutern und Btreien gefüllt sind und auf dem Tischchen neben dem (erstaunlich schlanken) schlanken Buddha neben der Massageliege schon bereitstehen. Die Kräuterstempel gehören unabdingbar zur ayurvedischen Tradition und sollen mal, dämpfen, mal neu aufbauen.

Die Kräuterstempel stehen bereit: Pinda Sweda kann beginnen.

Die tiefen Gewebeschichten möchte Vishesh erreichen und dadurch Lymphzirkulation und Stoffwechsel in Schwung bringen. Dabei kombiniert man Druck und Tempo mit Ruhe und Stille.

Natürlich darf auch Shiro Dhara nicht fehlen, gilt doch der Stirnölguss als „Königsanswendung“ des Ayurveda. Bei chronischen Kopfschmerzen setzt man sie ebenso ein wie bei hohem Blutdruck, Schlafstörungen und Depressionen, Stress, Erschöpfung und Burnout, Tinnitus und anderen psychosomatischen Erkrankungen. Sie tut mithin vor allem der Seele gut.

Bei Uro Basti wird das Öl auf den Brustkorb gebracht, um bei Herzrhythmusstörungen, Angstzuständen, Herzklopfen und tief sitzendem Stress zu helfen.

Das Ende des Spektrums der ayurvedischen Behandlungsmethoden im „Engel“ ist trotz dieser jetzt schon beeindruckenden Liste noch lange nicht erreicht. Es gibt noch viel mehr, und im wahrsten Sinne des Wortes dürfte da für jeden etwas dabei sein.

Achso, ja, wie gesagt: Mir hat Dr. Mishra Samwahanam verordnet. Ziel dabei: Schlacken aus dem Körper zu treiben. Schlaflosigkeit und Müdigkeit zu Leibe zu rücken. Ich aber genieße erst mal. Auch die Gespräche mit Nilantha, in denen er von seiner Heimat und deren Traditionen erzählt. Und sein Lob, dass ich „gute Beine“ („good legs“) mit viel Energie habe. Und das in meinem Alter! Allerdings ist das angesichts der vielen Wanderkilometer, die ich für Artikel in Zeitungen und Zeitschriften sowie für mein neues Klosterwanderbuch übers Allgäu schon hinter mir habe, auch relativ leicht erklärbar.

Ich schau nicht auf die Uhr, die Zeit verfliegt nur so. „Hat es gut getan?“, fragt Nilantha am Ende schüchtern. „Ja, wunderbar!“ Nilantha strahlt übers ganze Gesicht und führt seine rechte Hand zum Herzen: „Das freut mich. Es kam aus meinem Innersten.“

Daran zweifle ich keine Sekunde.

Nähere Informationen unter www.ayurveda-dolomites.com

 

 

 

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